
Die Weinschenke und der Heurige Zum 38er
hat Geschichte:
Die Hochstraße ist die älteste Straße Perchtoldsdorf. Sie
bezeichnet einen uralten, wohl schon in frühgeschichtlicher Zeit
begangenen und zur Römerzeit (alta strata) vemutlich befestigten
Verbindungsweg zwischen dem Wiental bei Hietzing und dem Tal des
Mödlingbaches.
Im Bereich des heutigen Hauses Nr. 38 entstand im 9
Jahrhundert durch Besiedlung der Slowenen und Awaren eine dörfliche
Siedlung mit dem Namen "Arnstetten", ein sogenanntes
Linsenangerdorf. (mit großem Angerplatz) Es wurden um das Jahr 1000
etliche Grubenhäuser gebaut: in die Grube hinein, an der
Oberfläche mit Holz und das Dach mit Schindeln und Stroh gedeckt.
Die Fugen zwischen den Häusern (Hygienegrund/Feuerschutz) sind noch
heute ersichtlich.
In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts gehörte die Siedlung
"Arnstetten" grundherrschaftlich dem Zisterzienserkloster
Heiligenkreuz im Wiener Wald und umfasste etwa 22 Häuser. An der
Stelle Hochstraße 38 wurde der erste Steinbau errichtet. An der
südlichen Grundgrenze entstand ein Typus des bayrischen
Streckhofes, bei dem Wohnhaus, Stalle und Scheune baulich
aneinandergereiht und unter einem Dach sind. Es kam zu einer
Überlagerung von Preßhaus und halbvertieftem Keller und der
darüberliegenden Wohnung des Weinhauers mit ihrer dreiachsigen
Fensterfront an der angerförmigen Straße. Es war ein fränkisch
abgeriegeltes Rauchküchenhaus.
Noch in der ersten Hälfte des 14. Jh wurde Arnstetten der Pfarre
Perchtoldsdorf zugeteilt. Das
älteste Besitzverzeichnis (Urbar) der Pfarre stammt von 1553. Es
erwähnt nun 37 Häuser und 5 Brotbänke und noch 15 bäuerliche
Untertanen.
1655 war der erste urkundlich erwähnte Besitzer Jakob Laminger. In
der türkischen Invasionsperiode 1683 kam es zu Brandschändung und
Plünderung, es wurde wiederaufgebaut, viele Besitzer wechselten.
Die nördliche Verbauung ist in der Katastralmappe von 1878
eingetragen. 1901 finden wir in den Plänen den Brunnen in der Mitte
des Hofes eingezeichnet.
1902 kam es in Besitz des ehemaligen k.k. Hofgärtners Tarkacs,
durch Kriegseinwirkungen kam es zu 1945/1945 zu starken
Gebäudeschäden. Als Bauwerberin scheint Josefine Hafenscher auf,
die die Liegenschaft 1950 von Margarethe Tarkacs erwarb.
Seit 1956 ist die Liegenschaft in Familienbesitz. Seine heutige
Gestalt in einer historisierenden Formensprache erhielt das Gebäude
vom Architekten und Stadtbaumeister Ing. Hans Gstöttner. Das
Bürgerhaus der Renaissance (sichtbar am Erker und der Hausfahrt)
wurde stilistisch betont. Die jahrhundertealte Bausubstanz der
südlichen Grundgrenze ist deutlich sichtbar und wurde harmonisch in
den Neubau integriert. (gekürzte Fassung
07/02)
Herzlichen Dank an Mag. Gregor
Gatscher-Riedl, der uns die wissenschaftlich fundierten Recherchen
und Ausführungen zur Verfügung stellte.
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